Interview mit der Komponistin Sofia Borges in der Evangelischen Grundschule Neukölln am 21. September 2015

 Borges_Klangradar.Foto Maria Leonardo

(c) Maria Leonardo

Sofia Borges ist eine der Komponist/innen von KLANGRADAR BERLIN und entwickelt an der Evangelischen Grundschule Neukölln zusammen mit der Klasse 6a eine Komposition.

Sofia Borges über sich selbst: Ich bin in Portugal aufgewachsen. Ich wollte seit ich Kind war Musikerin werden. Also habe ich angefangen Schlagzeug zu spielen und später am Konservatorium klassisches Schlagzeug gelernt. Ich habe aber auch viel Volksmusik und Jazz gespielt, was ich dann in Lissabon auch studiert habe. Dort hatte ich einen sehr guten Lehrer, der mir komponieren beigebracht hat. Ich war begeistert von diesem Lehrer und daraufhin habe ich angefangen selber zu komponieren. In den letzten Jahren habe ich mit vielen Musikern auf der Welt zusammengespielt.

Seit wann komponieren Sie mit dieser Klasse?

Seit Anfang August. Heute ist die vierte Stunde.

Wie war der Einstieg in das Projekt? Wie haben Sie den Kindern erklärt was Sie in den kommenden Monaten zusammen machen werden?

Ich habe zusammen mit Burkhard Friedrich KLANGRADAR vorgestellt und die Kinder konnten dann entscheiden, ob sie daran teilnehmen wollen.

In der ersten Stunde haben wir dann angefangen Musik zu spielen. Die Kinder haben Gläser und Schrauben bekommen und sollten damit einen Klang machen und der Klasse vorstellen, welcher Klang mit diesen Materialien möglich ist.

War das für die Kinder sehr befremdlich?

Nein, sie waren sehr engagiert und haben viele verschiedene Klänge vorgestellt!

fsgs

(c) netzwerk junge ohren

Was heißt es für Sie Musik zusammen mit Kindern zu erfinden? Was reizt Sie daran?

Im klassischen Musikunterricht hatte ich Noten vor mir und musste diese nachspielen. Und auch die Kinder hier im Unterricht sind gewohnt, dass man mit klassischen Instrumenten, wie Geige oder Gitarre, klassisch notierte Musik spielt. Hier bei KLANGRADAR BERLIN machen wir nun etwas sehr anderes: Die Kinder sollen sich zunächst überlegen welche Klänge sie hören wollen, und sie sollen die Klänge nicht auf Instrumenten, sondern auf Gegenständen erzeugen.

Dirigenten sagen manchmal zu den Orchestermusikern: „Ihr müsst die anderen hören!“ Doch dort ist der Klang, dem man zuhören soll, schon da, er ist bereits aufgeschrieben. Ich glaube echtes Zuhören können wir lernen, wenn noch kein Klang produziert ist und es an uns selber liegt, welcher Klang ertönt, welchen Klang wir hören wollen. Zuhören hat viel mit Achtsamkeit zu tun, es geht von einem selber aus. Das möchte ich mit den Kindern hier erfahren.

Wenn ich etwas höre, habe ich aber doch meistens schon Erwartungen. Wenn sich die Kindern nun fragen, was sie hören möchten, was ist das dann?

Wenn ich die Kinder das frage, antworten sie oft: „Das!“ und machen ein Geräusch. Wenn ich dann den Eindruck habe, dass sie nicht genau hin hören, dann vergleichen wir verschiedene Geräusche damit sie sich auf den Klang konzentrieren und ein Gefühl für Differenzen bekommen. So können sie zwischen unterschiedlichen selbstproduzierten Klängen auswählen welches ihnen am besten gefällt.

Was wird in den kommenden Wochen noch passieren?

Wir fangen jetzt schon an zu komponieren. Ich habe auch einige Ideen für eine Abschlusskomposition, die ich mit den Kindern ausarbeiten möchte. Heute haben wir eine Übung gemacht und anschließend schon eine Bühnensituation simuliert. Dabei gab es eine wichtige Regel: keine Korrekturen, keine Kritik, sondern erst einmal zuhören. Es ging darum einen Zwischenstand zu präsentieren, ein „Work in Progress“ – für viele Kinder ist das neu. Sie kennen aus der Schule, dass sie nur fertige Arbeiten präsentierten sollen und nur selten ergebnisoffen an eine Sache herangehen dürfen. Auf diese Weise werden auch Zwischenschritte wertvoll. Das kennen viele Kinder noch nicht.

Das Interview führte Katharina von Radowitz.

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