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Interview mit dem Komponisten Krystoffer Dreps am 14.10.2015 in der Miriam Makeba Grundschule (Moabit)

Klangradar M.Makeba Klangforschung IV


Krystoffer Dreps ist einer der Komponist/innen von KLANGRADAR BERLIN, der mit einer 5. Klasse an der Miriam Makeba Schule in Moabit eine Komposition entwickelt.

Krystoffer Dreps über sich selbst:

Ich bin freischaffender Komponist und Trompeter. Musikalisch bin ich in drei Welten gleichzeitig unterwegs. In der Jugend noch Rockgitarrist, habe ich dann später Klassik und Jazz studiert und schreibe für beide Musiken mit einem „Rock-Hintergrund“ und hoffe dass es irgendwann mehr eins wird, statt immer bei den Polen angesiedelt zu sein. Die Arbeit bei KLANGRADAR BERLIN reizt mich, weil ich Klangforschung für sehr wichtig halte und ich hier für mich die Möglichkeit sehe, Klangforschung auf einer ganz basalen Ebene zu erleben. Es gab bei den Schülerinnen und Schülern schon Sounds, die so spannend klangen, dass ich gedacht habe; die will ich selber mal für eigene Stücke verwenden!


Haben Sie schon einmal mit Kindern in der Schule komponiert?

Komponiert wie hier bei KLANGRADAR BERLIN habe ich noch nicht in der Schule. Aber ich habe schon als Vertretungslehrer in einer Grundschule Klangforschung betrieben, mit Kindern der 4. bis 6. Klasse. Dort hatte ich völlig freie Hand und habe alles Mögliche gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ausprobiert: Da haben wir zum Beispiel die Federmappe von jedem klanglich durchleuchtet.

Was haben Sie heute hier in der Miriam Makeba Schule im Unterricht gemacht?

Es ging heute um zwei Dinge.

Zum Einen: Wir nehmen das diesjährige Thema KLANGRADAR BERLIN „Handy + Internet= Miteinander?“ ziemlich wörtlich. Gerade geht es um das Handy: Wir haben in den letzten Stunden erforscht, welche Bewegungen man mit dem Handy machen kann. Neben dem Wischen und Tippen, das einem sofort einfällt, gibt es noch eine Reihe anderer Möglichkeiten. Diese Bewegungen (übertrieben und vergrößert) haben wir heute auf traditionelle Instrumente übertragen. Zuvor haben wir bereits auf verschiedenen anderen Materialien ausprobiert und geschaut, was das für Klänge produziert: am Körper, auf dem Tisch, mit Büchern.

Heute war die erste Stunde, wo wir genau das auch auf „klassischen“ Instrumenten versucht haben. Die Idee war, nicht nur die Verbindung zum Handy herzustellen, sondern auch, dass konventionelle Instrumente nicht konventionell benutzt werden: Wie kann ich Klang erzeugen, ohne das zu tun, was man normalerweise damit tut? Am Anfang haben alle mit dem Schlegel auf das Xylophon geschlagen. Mit der Zeit, auch durch die Kommunikation in der Gruppe haben die Kinder verstanden, dass es um das „Anders Machen“ geht, um Sensibilität für neue Klänge.

Zum anderen haben wir uns heute damit beschäftigt, wie wir das, was wir in der Gruppe als Klang erarbeitet haben, „aufschreiben“ oder festhalten. Wir haben in den letzten Stunden verschiedene Formen von Partitur-Schrift ausprobiert, mit Karten und Zeichen. Heute hatte jeder ein eigenes farbiges Papierstück und konnte dies auf eine X/Y Achse legen. So konnte jeder entscheiden, wann und mit wem er spielt. Dadurch hatten wir eine starke visuelle Kopplung von Komposition und Spiel.

Ich habe gesehen, dass in einigen Gruppen von den Schülern sehr engagiert diskutiert wurde, was gut und was schlecht lief und wo und wie sie etwas verbessern können. Dort ging es beispielsweise auch um die Abstimmung des gemeinsamen Spiels auf leise Klänge. Wie ist das Verhältnis zwischen dem eigenen Entdeckungsdrang der Schüler und Ihrer Funktion als Komponist, als „Lehrer“?

Generell ist mein Ziel, möglichst wenig zu intervenieren. Aber ab und zu muss es einen klaren Hinweis von mir geben, weil es immer Schüler gibt, die mit ganz anderen Sachen vertraut sind und sich schwer in die Übung hineindenken können. Der tiefere Lerneffekt entsteht natürlich dann, wenn die Schüler selbst auf bestimmte Dinge stoßen. Heute habe ich eigentlich viel zu viel intervenieren müssen. Das lag aber daran, dass sich die Schüler in einer der Gruppen nicht verstanden haben. Das war also ein außermusikalisches Problem. Es gab aber auch Probleme auf der musikalischen Ebene; Einige Schüler hatten die Aufgabenstellung nicht ganz verstanden und sich nicht auf die oben beschrieben Weise mit dem Instrument auseinandergesetzt. Das ist allerdings nicht selten so…diese Schwierigkeiten gibt es ja in allen Fächern.

Wie geht es in den folgenden Wochen weiter? Bauen Sie auf die Übungen aus der heutigen Stunde auf?

Sowohl, als auch. Die heutige Stunde wird noch einmal thematisiert werden, weil viele musikalische Aspekte in der kurzen Zeit von einer Unterrichtsstunde gar nicht besprochen werden konnten; wie zum Beispiel Übergänge oder Klangdifferenzierung, also die Abstimmung eines lauten und eines leisen Klanges aufeinander.

Das Thema „Bewegung“, womit wir uns heute beschäftigt haben, ist eines von drei Themenschwerpunkten. Es geht neben der „Bewegung“ auch um das „Ich“ und um das „Ihr“. Beim „Ich“ wird es darum gehen, wie reagiere ich, wie wirken Sachen auf mich und wie kann ich mich klanglich in Szene setzen? Dort spielt die eigene Stimme eine wichtige Rolle. Beim „Ihr“ geht es um die Rezeption der „Anderen“ und die Wirkung auf das Selbst. Dort werden wir mit Text und Sprache arbeiten. Am Ende führen wir diese drei Themen zusammen und sind dann beim Thema „Kommunikation“.

Das Interview führte Till Dahlmüller.

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