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Kompositionsprojekt an Berliner Grundschulen

Letzten Donnerstag, am 3. April, fiel mit dem ersten Unterrichtstermin an der Löwenzahn-Grundschule der Startschuss für das Projekt „Klangradar – Mit den Ohren sehen lernen“. Modellhaft wird an sechs Berliner Grundschulen das Komponieren Experimenteller Musik zum Schulfach, begleitet von sechs Berliner KomponistInnen. Das netzwerk junge ohren ruft dieses Projekt als Träger gemeinsam mit dem Komponisten und Künstlerischen Leiter Burkhard Friedrich ins Leben. Hauptförderer ist der Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Höhepunkt des Kompositionsprojekts mit Berliner GrundschülerInnen werden die gemeinsamen Abschlusspräsentationen in der Heilig-Kreuz-Kirche am 23. Juni 2014 und 21. Januar 2015 sein.

Klänge erforschen, selbst entwickeln und experimentelle zeitgenössische Musik komponieren – dazu regt das Projekt „Klangradar – Mit den Ohren sehen lernen“ Kinder an Berliner Grundschulen an. Unter Anleitung didaktisch erfahrener KomponistInnen entdecken die SchülerInnen über den Kompositionsprozess eigene kreative und soziale Kompetenzen.Sie werden dazu ermutigt, im Schulalltag mit Neugierde und Mut „Neuland“ zu betreten und sich auf nie Gesehenes und Ungehörtes, manchmal auch Unerhörtes einzulassen.

Im knapp einjährigen Projektzeitraum wird Klangradar an sechs beteiligten Schulen mit sechs verschiedenen KomponistInnen realisiert. Teilnehmen werden SchülerInnen der 1. bis 6. Klassenstufe vor allem in den Bezirken Berlin-Neukölln und Kreuzberg, die in der Regel über wenig bis keine musikalische Vorbildung verfügen. Ausgewählt wurden Schulen mit unterschiedlichen Lernkonzepten und Schulformen. Über einen dreimonatigen Zeitraum tauchen die SchülerInnen begleitet vom Profi und ihrer Lehrkraft in den Prozess ein, gemeinsam eine eigene Musiksprache zu finden. Im wöchentlich stattfindenden Musikunterricht entsteht so eine Gemeinschaftskomposition der ganzen Klasse, die von der jeweiligen Lerngruppe auch selbständig uraufgeführt wird.

„In diesem Projekt sind keine Fertigkeiten gefragt, sondern Forschergeist und Forscherlust auf experimentelles, musikalisches Gestalten“, so der Komponist und Künstlerische Leiter des Projekts, Burkhard Friedrich. Auf diese spannende musikalisch-kreative Entdeckungstour gehen im ersten Halbjahr, von April bis Juni, ausgewählte Klassen aus drei Schulen (Löwenzahn-Grundschule mit dem Komponisten Mathias Hinke, Jens-Nydahl-Grundschule mit der Komponistin Mayako Kubo und 5. Klasse des Romain-Rolland-Gymnasiums mit dem Komponisten Sascha Dragićević). Im zweiten Halbjahr komponieren von Oktober bis Januar Klassen der Freien Naturschule Pankow, der Walt-Disney-Grundschule und der Peter-Petersen-Grundschule Neukölln.

Ein großes Abschlusskonzert mit allen KomponistInnen und den jungen NachwuchskomponistInnen gibt es am Ende der jeweiligen Projektphasen: am 23. Juni 2014 bzw. am 21. Januar 2015 jeweils um 18 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener Str. 65 in Berlin-Kreuzberg. Am 23. Juni 2014 ergänzt tagsüber die Denkfabrik „Radar-Sonar“ zum Thema Kompositionspädagogik das Konzert. Die regelmäßig vom netzwerk junge ohren veranstalteten Denkfabriken führen einen kleinen Kreis von Experten des jeweiligen Fachgebiets zusammen, welche Tendenzen und neue Ansätze diskutieren und in diesem Fall auch praktisch umsetzen.

Und das sind künstlerischer Leiter und Teams des ersten Durchgangs (April-Juni):

Burkhard Friedrich, Komponist und Künstlerischer Leiter „Klangradar“Bild

Kompositions- und Musikpädagogikstudium in Lübeck und Stuttgart, klassisches Saxophon in Berlin. Seine experimentellen Musiktheater und Konzertinstallationen wurden und werden auf Festivals in Berlin, Hamburg, Wien, u.a. aufgeführt, seine Kammermusikwerke finden sich im Repertoire bekannter Ensembles, wie beispielsweise “RADAR-Ensemble”, “Ensemble Decoder” oder “Phoenix”. Er arbeitet mit Konzeptkünstlern wie beispielsweise dem Video-Artisten Timo Schierhorn oder dem Experimental-Elektro-Musiker Felix Kubin zusammen. Burkhard Friedrich ist Gründer des ensemble Intègrales und war zwischen 1994 und 2011 Künstlerischer Leiter und Saxophonist des Ensembles. Portrait-CDs mit seinen Werken sind bei den Labels WERGO, Dekoder, Ahornfelder u.a. erschienen. Er hat für seine außergewöhnliche Musiksprache verschiedene internationale Auszeichnungen erhalten und war u.a. Stipendiat der Freien und Hansestadt Hamburg, der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR, des DAAD und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Burkhard Friedrich lebt in Berlin und ist seit dem Jahre 2000 künstlerischer Leiter des Kompositionsprojektes “Klangradar 3000” in Hamburg und hält Seminare und Workshops zum Thema “Kompositionspädagogik” auf internationalen musikpädagogischen Kongressen. Er ist Lehrbeauftragter für das Fach “Didaktik der Komposition” an der Musikhochschule Lübeck und Gastdozent an internationalen Musikuniversitäten. www.burkhard-friedrich.com / www.klangradar3000.de

Team 1: Jens-Nydahl-Grundschule (Lehrkraft Christine Meyke, Videoproduktion: Saori Kanemaki, Grafik-Design: Malte Herok und Judith Fehlau) und Mayako Kubo, Komponistin 

Mayako Kubo ist eine Komponistin japanischer Herkunft, die jedoch künstlerisch dem europäischen Erbe und der musikBildalischen Moderne eng verbunden ist. Ihr Œuvre umfasst rund 130 Werke fast aller Gattungen. Kubos Kompositionsstil verdankt viel ihrer klassischen Klavierausbildung, den Studien am Institut für Elektroakustische und Experimentelle Musik Wien sowie der Auseinandersetzung mit anderen szenischen Künsten wie Tanz, Theater und Performance. In den neunziger Jahren wandte sie sich verstärkt dem Musiktheater zu und entwickelte dafür eine ganz spezifische, freie und expressive Tonwelt. Die Uraufführung von Rashomon 1996 in Graz und die der japanischen Fassung 2002 in Tokio begründeten ihren Ruf als bedeutendste japanische Komponistin. Osan – Das Geheimnis der Liebe, ihre zweite Oper, kam 2005 in Tokio ebenfalls mit großem Erfolg zur Uraufführung. 2010 feierte Der Spinnfaden in Berlin Premiere, eine Oper für junge Musiker. Derzeit schreibt Kubo an ihrer vierten Oper, Izanagi, einem Stoff aus der japanischen Mythologie. Sie hält regelmäßig Vorträge über zeitgenössische Musik und Komposition an Musikhochschulen und Kulturinstituten, etwa in Fukushima, Kioto, Tokio, Wien, Graz, Berlin, Köln und Hamburg. Ihre Kompositionen wurden auf den wichtigsten internationalen Musikfestivals wie den Donaueschinger Musiktagen oder Wien Modern aufgeführt und von bekannten Künstlern interpretiert. www.mayako-kubo.com

Jens-Nydahl-Grundschule: http://www.jng.cidsnet.de/

Team 2: 5. Klasse des Romain-Rolland-Gymnasium (Lehrkraft Katja Brunsmann) und Sascha Janko Dragićević, Komponist

Sascha Janko Dragićević studierte an der Musikhochschule Köln Komposition und Klavier. Zusätzlich absolvBildierte er Kompositionskurse u.a. bei György Ligeti, Helmut Lachenmann, Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel. Für seine kompositorische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise und Stipendien, wie zuletzt das Stipendium an der Cité Internationale des Arts Paris. Seine Werke wurden von führenden Ensembles und Solisten international aufgeführt. Zurzeit arbeitet er an einem Projekt mit dem Berliner Ensemble Adapter. Seit vielen Jahren übt Sascha Dragićević Lehrtätigkeiten in den Bereichen Komposition, Musiktheorie und Klavier aus. Regelmäßig begleitet er Schulklassen im Rahmen von Education-Projekten wie QuerKlang und QuerKlang-Nachhall. Er arbeitet als Dozent für Komposition und Neue Musik für die Hochbegabtenstiftung der Kreissparkasse Köln. www.sascha-dragicevic.com

Romain-Rolland-Gymnasium, Berlin-Reinickendorf: http://www.romain-rolland-gymnasium.eu/apache2-default/

Team 3: Löwenzahn-Grundschule (Lehrkraft Utta Hoppe) und Mathias Hinke, Komponist

Mathias Hinke wurde  1973 in Mexiko City geboren. Kompositionsstudium an der Manhattan School of Music. Seit 1997 wohnhaft in BerlinBild. Studium der Kunstgeschichte an der Humboldt Universität. Verheiratet seit 2000, Vater von 4 Kindern. Aufträge u.a für die „opera nacional de Bellas Artes, Mexiko“, Deutsche Oper Berlin, Deutschlandfunk, „orquesta sinfónica nacional de México“, KNM Berlin, Sonar Quartett, Mas Sextett, für Solisten wie Alban Gerhardt, Michaela Kaune. Seine Musik wurde außerdem in Deutschland von Orchestern und Ensembles wie Hamburg Sinfonisches Orchester, Mannheim Philharmonisches Orchester, Hayom Ensemble gespielt. Künstlerisch-pädagogische Arbeit mit verschiedenen Schulen in Berlin seit 2003. Mitwirkung in zwei Durchläufen des „Querklang“-Projektes, Komposition und Leitung eines Projektes des KNM Campus Ensembles. Dozent an der UdK Berlin im Institut für Neue Musik. www.mathiashinke.de

Löwenzahn-Grundschule Berlin-Neukölln: www.drory.de

 

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