Zum Abschluss

2011/11/21

- khm

Mit einer feierlichen Preisverleihung ging das erstmalig ausgetragene »YEAH«-Festival in Osnabrück zu Ende. Nicht nur der Medienpartner, die Neue Osnabrücker Zeitung, hat ausführlich berichtet, auch die »Kulturzeit« von 3Sat hat sich neben Weiteren mit dem Festival auseinandergesetzt. Fast wäre jedoch ein besonderer Programmpunkt untergegangen: die Verleihung des junge ohren preises 2011 (= jop!), die dem »YEAH«-Festival in diesem Jahr angegliedert war. Im Rahmen der Preisverleihung am vergangenen Samstag wurden auch die Preisträger des auf den deutschsprachigen Raum konzentrierten jop! bekanntgegeben – wunderbare Ensembles und Initiativen, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.

Den ersten Preis in der Kategorie »Musik und Medien« gewann eine Idee des Ensembles für Neue Musik L’ART POUR L’ART. Unter dem Motto Haltbar gemacht tastete sich die ensembleeigene Kompositionsklasse mit jungen Nachwuchskomponisten an Verknüpfungsmöglichkeiten von Musik und Medien an. Der Kompositionsprozess stand dabei neben der Möglichkeit, in einem professionellen Umfeld – hier gestellt durch den Hessischen Rundfunk – die Werke von international bekannten Musikern einspielen zu lassen.  Insbesondere das Begegnen auf Augenhöhe und der Anspruch, verschiedene Medienformen aufzugreifen – von der Schrift zum Klang – empfand die Jury als auszeichnungswürdig.

Der »LabOhr«-Preis geht dieses Jahr an die außergewöhnliche Formation rund um das Projekt Klangsport. Dieses kombiniert auf experimentelle Weise die Disziplinen Sport und Musik miteinander. Jugendliche erwecken dabei die Klänge der Turnhalle zum Leben und koppeln sie an Tanz, Lichtdesign und Musiken verschiedener Genres. Aus Klängen und Sportgeräuschen wird so eine Art Revue, die sich nicht nur an jüngere, sondern auch an ältere Generationen wendet. »Klangsport« ist ein »LabOhr« in beide Richtungen – für das Publikum und für die Akteure.

Die Preise in den beiden »Best Practice«-Kategorien wurden von der Finaljury an Die verlorenen Schritte der Kreativkompanie XTHESIS und an den Rückspiegel unter anderem des Berliner Konzerthauses vergeben. Höchst ideenreich werden in der Produktion »Die verlorenen Schritte« verschiedene Musikstile kombiniert, die vor allem durch die improvisatorische Herangehensweise miteinander verbunden werden. Es handelt sich um eine Form von Bewegungstheater mit Klangkulisse, da auch das Element des Tanzes eine hervorgehobene Rolle in dieser Produktion spielt. Der »Rückspiegel« kreist hingegen um ein konkretes Sujet – Franz Schuberts Liederzyklus »Die Winterreise«, die in gewisser Hinsicht gespiegelt wird. Basierend auf einer Neukomposition von Juliana Hodkinson haben drei Schulklassen eine Art Folie des Zyklus erstellt, die in verschiedenen Kursen vorbereitet wurde. Das hohe künstlerische Niveau beeindruckte die Jury ebenso wie der Respekt vor den Leistungen der Schüler. Ihre Erweiterungen wurden zum substantiellen Bestandteil der Neukomposition und stehen geichberechtigt neben den Ansätzen von Juliana Hodkinson. Dieser gegenseitige Respekt ist ein Grundmotiv, das alle diesjährigen Preisträger auszeichnet und miteinander verbindet: sie nehmen ihr Klientel, die Kinder und Jugendlichen, ernst  - und fordern es zugleich.

Ein Sonderpreis für die Komposition eines Werkes mit besonderem interkulturellem Bezug geht an die junge Komponistin Sinem Altan und ihre Musik zu der Produktion »Keloglan und die Räuberbande« (Auftraggeber: ATZE Musiktheater). Hier trifft der Okzident den Orient – musikalisch wie inhaltlich. Als Preis winkt Sinem Altan und ihrem Ensemble eine Neuinszenierung des Projekts in Bregenz 2012.

Die Preisträger des jop! 2011

Die Preisträger des jop! 2011

\\\
www.jungeohren.de
www.jungeohren.de/jop
www.yeah-award.com


Juryreport Nr. 2: Die Gewinner…

2011/11/05

… des diesjährigen junge ohren preises stehen fest!

In der Sitzung der Finaljury am vergangenen Montag (31. Oktober 2011) wählte das fünfköpfige Expertengremium aus dem Kreis der Nominierten die Preisträger aus.

In diesem Jahr wurde in den Kategorien „Best Practice“ und „LabOhr“ erstmals ein neues, zweistufiges Juryverfahren angewendet. In einer ersten Runde wählte eine Vorjury aus allen Bewerbern zwölf Nominierte, die von der unabhängigen Finaljury abermals bewertet wurden. Die Kategorie „Musik und Medien“ lief unabhängig hiervon; hier fällte eine Jury sowohl die Vor- als auch die Endentscheidung. Die Mitglieder der Jurys begrüßten das modifizierte Verfahren, sodass es auch im nächsten Jahr in ähnlicher Form angewendet wird.

Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgt am 19. November in Osnabrück im Rahmen des YEAH!-Festivals. Die Verleihung ist öffentlich.

- khm


Juryreport Nr. 1: der junge ohren preis 2011

2011/10/25

- khm

Osnabrück ist in diesem Jahr nicht nur die Stadt des YEAH!, sondern auch des jop!

Der »junge ohren preis«, wie der »jop« eigentlich heißt, wird am 19. November im Rahmen des »YEAH!«-Festivals in Osnabrück vergeben. Die ersten Jurysitzungen sind beendet und die Nominierten für die Kategorien »Musik und Medien«, »LabOhr« und »Best Practice« stehen fest. Über 75 Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich beworben. Die Juroren kommen aus verschiedenen Bereichen des Kulturbetriebs, für die Medien-Jury konnten zudem Experten aus der Medienwelt gewonnen werden.

Die Juroren Jürgen Öhlinger und Annika Schmitz bei der Arbeit

Jürgen Öhlinger und Annika Schmitz

Die  Kategorien Best Practice und LabOhr haben traditionell die höchste Bewerberdichte. Aus diesem Grund wird in diesem Jahr erstmalig ein neues Juryverfahren angewendet, das aus den Erfahrungen der letzten Jahre heraus entwickelt wurde. Kern ist hier – im Gegensatz zur Kategorie »Musik und Medien« – die Aufteilung in zwei unabhängige Jurys, die zeitversetzt tagen. Die zahlreichen Bewerber wurden zuvor in Untergruppen eingeteilt, die von ebenfalls zuvor eingeteilten Jurygruppen nach einem festgelegten Schlüssel evaluiert wurden. Im anschließenden Plenum wurden diese Vornominierten von den jeweiligen Teiljurys vorgestellt und in großer Runde aller Juroren diskutiert. Elf Bewerber wurden schließlich ausgewählt und ins Rennen um die Preise geschickt. Die unabhängige Finaljury wählt diese am 31. Oktober in einer weiteren Sitzung. Die nominierten Projekte durchlaufen somit drei Bewertungsstufen: zunächst die Vorauswahl der Teiljurys, dann die Diskussion im Plenum und schließlich eine Beurteilung durch eine unabhängige Finaljury.

Markus Lüdke und Pascal Sticklies

Markus Lüdke und Pascal Sticklies

Anders verhält es sich in der Kategorie Musik und Medien, in der eine Jury sowohl für die Vorauswahl als auch für die endgültige Bestimmung des Preisträgers verantwortlich ist. Da hier geringere Bewerberzahlen die Regel sind, ist solch ein vereinfachtes Verfahren möglich und sinnvoll, da sich die Juroren bereits in der Vorrunde intensiv mit allen Projekten auseinandergesetzt und so einen guten Gesamtüberblick haben, auf den in einer weiteren, zeitversetzten Beratung die endgültige Wahl des Siegers aufbauen kann. Drei Projekte wurden hier in einer mehrstündigen Beratungssitzung nominiert.

Schon die ersten Sitzungen zeigten, dass die Vielheit an Projekten in der Musikvermittlungswelt weiter zugenommen hat. Man darf also gespannt sein, wie sich die Finaljury letzten Endes entscheiden wird und wer als Preisträger aus dem Rennen geht…

Die nominierten Projekte können auf den folgenden Seiten eingesehen werden:

\\\ Ergebnisse der Vorrrunde
\\\ Die Jurymitglieder im Überblick

Kontakt:
Katharina von Radowitz, Projektleitung und Kommunikation


Rundblick: YEAH!

2011/09/30



Die Vorbereitungen für den YEAH! laufen auf Hochtouren, das Büro in Osnabrück ist bezogen und die Finalisten, die aus 165 Bewerbungen ausgewählt wurden, stehen fest. Grund genug für eine erste Presseschau mit einer Auswahl an Artikeln.

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) hat eine Themenseite zum YEAH! eingerichtet, auf der nicht nur peu à peu die einzelnen Finalisten vorgestellt werden (Teil 1: Rocky Roccoco, Sonus Brass Ensemble, Österreich, Teil 2: Body Rhythm Factory, Dänemark), sondern auch regelmäßig über Aktivitäten rund um den YEAH! berichtet wird. Christopher Nimz, Mitarbeiter des netzwerk junge ohren, hat das Wettbewerbsbüro bezogen – und die NOZ war dabei. Bereits im letzten Jahr hat sie über den YEAH! berichtet – Ralf Döring kommentierte damals, wieso Wettbewerbe wie der YEAH! gebraucht werden: »So können sich neue Genres und neue Betätigungsfelder entwickeln. Und Osnabrück kann durch YEAH! bei dieser spannenden Entwicklung ganz vorn mit dabei sein.«

Die Neue Musikzeitung lieferte neben einer großen Themenseite in der aktuellen Printausgabe ein Interview mit Dagmar Sikorski, Mitglied des Kuratoriums des YEAH! und zudem Präsidentin des Deutschen Musikverleger-Verbandes. Sie erzählt von ihrer Freundschaft zum netzwerk junge ohren, wie es überhaupt dazu kam, dass die Friedensstadt Osnabrück als Austragungsort des YEAH gewählt wurde und welche Bedeutung die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte für den Wettbewerb hat. Das Interview führte Juan Martin Koch.

Die Kieler Nachrichten gingen besonders auf das Projekt »Hasretim – Eine anatolische Reise« von Marc Sinan und den Dresdner Sinfonikern ein, das für den UNESCO-Sonderpreis nominiert ist. Im Interview stand Marc Sinan Rede und Antwort und schwärmte von den anatolischen Weiten sowie dem Glück des Zufalls, der einem manchmal die schönsten Momente beschert.

Schon etwas älter, aber dennoch aktuell: der Artikel »jop! jop! YEAH!«  von Ingrid Allwardt, Geschäftsführerin des netzwerk junge ohren, im Musikforum 04/2010. Sie berichtet über die Visionen, die mit dem Preis verbunden sind und welche Rolle Wettbewerbe mit ihren Projekten, gerade international ausgerichteten, für die Musikvermittlung spielen können.

Auch der Rundfunk hat berichtet: sowohl das Osnabrücker Radio osradio als auch das luxemburgische RTL setzten sich mit dem YEAH! auseinander. In Podcasts können Sie die Sendungen und O-Töne einzelner Protagonisten und Bewerber hören…

- khm



Auch in den USA…

2011/09/29

… werden die Aktivitäten von Knut Remond, Gründer und Kopf des ohrenhoch-Geräuscheladens in Berlin-Neukölln, wahrgenommen. Eng mit dem netzwerk junge ohren verbunden, wurde er bereits mehrfach mit dem jop! ausgezeichnet, unter anderem 2009 für seine Projekte „Regenwurmstadt“ und „Maulwurfgarten“. Die gemeinsame Webseite der Deutschen Botschaft, des Deutschlandzentrums und der acht deutschen Generalkonsulate in den USA hat „ohrenhoch“ porträtiert…

- khm


Skype-Interview mit Stefan Dünser vom Sonus Brass Ensemble zu Rocky Roccoco

2011/09/22

Skype-Interview mit Stefan Dünser vom Sonus Brass Ensemble zu Rocky Roccoco.


Die Zeiten ändern sich

2011/09/14

Der YEAH! Young EARopean Award als Qualitätsauszeichnung für grenzüberschreitende Musikvermittlung – khm

Musikvermittlung ist ein internationales Phänomen, das nicht nur in unserem Konzertleben einen besonderen Stellenwert einnimmt. Vor allem das Spannungsfeld von Bildungsideen, kulturpolitischen Erwartungen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen ist es dabei, dass in dem Diskurs der Vermittlung von Musik und ihrer Wirkung eine große Rolle spielt.

Marketinggedanken, spirituelle Überbauten wie der Glauben an eine ‘Besserung’ durch Musik oder der Versuch, an öffentliche Fördergelder für eigene Projekte zu kommen – die Motive der Akteure dürften zahlreich sein. Die Mischung macht‘s. Und dies ist nicht verwerflich – die Zeiten ändern sich und die Akteure müssen darauf reagieren: Die Strukturen unserer Orchester- und Konzertlandschaft sind hinsichtlich der Finanzierung, des Nachwuchses und der Vielfalt ebenso im Wandel begriffen wie zum Beispiel das Verhältnis von öffentlichen und freien Ensembles. Auch die Qualitätsbeurteilung von Ensembles misst sich schon lange nicht mehr nur an rein musikalischen Fragen, sondern auch daran, ob und wie Programme der Musikvermittlung angeboten werden. Wer etwas auf sich hält, der vermittelt.

Doch noch immer fehlen Qualitätsstandards. Die Konkurrenz ist zwar groß und wächst beständig. Doch wer entscheidet, was gut ist und was nicht? Man könnte fast fatalistisch das Paradoxon von Hartmut von Hentig anwenden, dass letzten Endes der Gebildete mit seiner Bildung entscheidet, was Bildung sein soll, und sich so aus der Antwortsuche herausziehen. Es ist halt jedem selbst überlassen, was gut zu sein hat. Doch ganz so einfach ist es nicht: Qualitätsunterschiede sind vorhanden! – und das liegt bereits auf der Hand, wenn man bedenkt, dass das Ausbildungsniveau durch zahlreiche Studiengänge massiv gestiegen ist, verschieden ausgebildete Musikvermittler also miteinander konkurrieren. Also erneut: wer entscheidet über die Qualität? Eine mögliche Antwort könnte hier in Wettbewerben wie dem YEAH! liegen, die mit hochkarätigen Juroren aus unterschiedlichen Disziplinen besetzt sind. Die in den Sitzungen und Diskussionen entwickelten Bewertungsstandards werden unmittelbar an den eingereichten Projekten erprobt und zeigen damit Qualitäten auf, die zugleich in Relation zueinander gebracht werden. Dies bietet jedem Einzelnen die Möglichkeit, im Vergleich hierzu seine eigenen Projekte zu hinterfragen, weiterzuentwickeln und zu professionalisieren; und hierdurch kann schließlich eine Art Dialog entstehen, in dem die Qualitätsbegriffe aufgegriffen, diskutiert und weiterentwickelt werden.

Die Zeiten ändern sich – auch hinsichtlich des Vermittlungsgegenstandes. Die ausschließliche Fixierung auf die ‘ernste’Musik ist in postmodern geprägten Zeiten, die ihren Widerhall in der Gesellschaft finden, nicht zielführend. Ähnlich pluralistisch wie unser Musikleben sind daher mittlerweile auch die Konzeptionen von Musikvermittlungsinitiativen und das verwundert nur wenig, da sie eben nicht nur Ausprägung des Musiklebens sind, sondern zugleich dessen Spiegel – Ausdruck dessen, was jeder einzelne von uns für eine Musik vermittelt sehen möchte.

Musikkollegium Winterthur mit "Fealan" \\\ Manfred Höin

Qualitätssicherung und kulturelle Vielfalt spielen bei der Verleihung des YEAH! eine besondere Rolle. Der Preis wendet sich nicht nur an Vermittlungsprojekte ‘klassischer’ Musik, sondern auch an Crossover-Konzeptionen, die den Blick über den deutschsprachigen Tellerrand wagen. Es stehen Akteure im Mittelpunkt, die versuchen, neuartige Wege der Vermittlung zu gehen. Nicht nur die Musik und die Musiker selbst, sondern auch die sie umgebende Sphäre wird dabei bedacht: der Award richtet sich so an Orchester, Konzerthäuser, Menschen auf und hinter der Bühne, Komponisten, musikalische Backstage-Arbeiter und alle, die mit neuen Bühnenformaten innovative Ansätze verwirklichen wollen.

Gerade der Europäisierung möchte sich der Preis in besonderer Weise annehmen. In der internationalen Aufstellung zeigt sich eine besondere Vielheit der Projekte, die sich in unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen manifestiert. Dies wird schon allein dann deutlich, wenn man sich die knapp 170 Bewerbungen aus über 30 Ländern betrachtet, die die Ausschreibung des YEAH! motiviert hat. Es wurde offensichtlich ein wesentliches Bedürfnis angesprochen: die Erweiterung seiner eigenen Grenzen – regional wie kulturell. Eine solche Fülle an Bewerbungen bietet die Möglichkeit, bestimmte Leitmotivationen aufzunehmen und diese im Anschluss (zum Beispiel im publizistischen und wissenschaftlichen Betrieb) näher zu betrachten. Auch hieraus können Qualitätsstandards entstehen.

Der interkulturelle Aspekt wird auch durch den UNESCO-Sonderpreis betont, der im Rahmen der Festivitäten an Marc Sinan und sein Projekt „Hasretim – eine anatolische Reise“ vergeben wird. Der YEAH! ist mit diesem Fokus auf das internationale Umfeld die Weiterentwicklung des auf den deutschsprachigen Raum konzentrierten junge ohren preises, der 2006 vom netzwerk junge ohren ins Leben gerufen wurde.

Saxophon-Quartett clair-obscur \\\ Henning Bekel

„Musik gehört zum Menschsein“ – so heißt es in der YEAH!-Idee und stellt dabei auf eine entscheidende Dimension des Preises ab: die Idee einer Musik als Ausdruck von Emotionen und als Sprache, die verbindet. Vielleicht als einzige Sprache? Die Bestätigung dieses Topos liegt zumindest nahe, wenn man sich die Erfolge der Projekte anschaut, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, interkulturelle Grenzen, zum Beispiel in Brennpunktvierteln, einzureißen und Blockaden zu lösen. Musikvermittlung wird so zum grenzüberschreitenden Thema, zum Weg der Verständigung zwischen den Kulturen.

Die Wege der Vermittlung sagen etwas über die Haltung der Vermittler und deren Herkunft aus – sie sind eben ein Spiegel des jeweiligen kulturellen Lebens. YEAH! – das steht also nicht nur für junge Ohren, die sich öffnen sollen für die Klänge ihrer Welt – für zeitgenössische, volkstümliche, klassische oder fremde –, sondern auch für Vermittler, die motiviert sind, neuartige Formen auszuprobieren und zugleich aus dem Fundus ihrer Kulturen zu speisen.

Die Zeiten ändern sich – und der YEAH! ist eine Antwort hierauf. Dies kann zu guter Letzt im Rahmen des Festivals erlebt und erfahren werden. Denn hier bietet sich ganz konkret die Möglichkeit, die eher abstrakten Ideen von Interkulturalität und Vielheit in den Konzerten, Präsentationen und Workshops kennenzulernen – komprimiert und innerhalb einer Woche.

(Dieser Artikel erschien in leicht geänderter Form in der Beilage des YEAH! in der aktuellen Ausgabe der NMZ)

 


Auf dem Weg nach Bonn…

2011/09/08

khm

Wenn der ECHO »Klassik für Kinder« an das Beethovenorchester Bonn (BOB) verliehen wird und auch das Beethovenfest mit seinem Projekt »Schüler-Manager« kurz vor der Eröffnung steht, so wird es Zeit, mal wieder einen Blick in die die Musikvermittlungswelt der beiden großen Bonner »B’s« zu werfen. Helmut Seidenbusch, Leiter des »Jungen Beethovenfests« und Thomas Honickel, künstlerischer Leiter von »Bobbys Klassik«, standen Rede und Antwort.

»Es ist schon eine besondere Auszeichnung«, so Honickel, »wenn einem der Echo Klassik zum zweiten Mal verliehen wird«. Anlass hierfür ist die neue CD des BOB, die Antonín Dvořáks Sinfonie »Aus der Neuen Welt« mit allerhand Begleitmaterial präsentiert. Auch für den Leopold Medienpreis ist sie nominiert und unabhängig, ob das BOB diesen bekommt, schon allein die Nominierung sei ein Erfolg. Zwar gehe es Honickel nicht um Preise, doch man merkt, dass ihm die Anerkennung sichtlich gut tut. Sie ermuntert zur weiteren Arbeit – und so laufen die Planungen für die nächsten Spielzeiten auf Hochtouren. Unter anderem ist eine eigens für »Bobbys Klassik« komponierte Kinderoper in der Mache und auch die Fortführung der bisherigen Projekte, wie die hauseigenen Chöre von »Bobbys Klassik«, ist fest im Spielplan verankert. Der Anspruch, in Konzerten sowohl zu vermitteln als auch zu unterhalten ist dabei für den ausgebildeten Musiktheoretiker und Dirigenten von wesentlicher Bedeutung, ebenso der Wunsch, den ‚Wert‘ von klassischer Musik zu vermitteln, unabhängig davon, welchen kulturellen Hintergrund der Rezipient hat.

»Es ist wichtig, die Kinder nicht nur zu berieseln, sondern sie partizipieren zu lassen.« – dieses Motto Honickels lässt sich auch auf Helmut Seidenbusch und seine Kollegen des Beethovenfests übertragen. Am 9. September wird es durch Anne Sophie Mutter und das Pittsburgh Symphony Orchestra eröffnet und wartet wie jedes Jahr mit allerlei Prominenz auf. Nach dem großen Erfolg des Schülermanager-Projekts in den letzten beiden Jahren – unter anderem ist es Preisträger in den Wettbewerben »365 Orte im Land der Ideen« und »Kinder zum Olymp« – wird dieses selbstverständlich auch in diesem Jahr wiederholt. Hinzu tritt ein Projekt, das Seidenbusch besonders am Herzen liegt: der Besuch des »National Youth Orchestra of Iraq«, das gemeinsam mit deutschen Schülern ein Begegnungsfest feiern wird. Geplant sind zudem eine Gesprächsrunde zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen beider Kulturen sowie Kinderkonzerte für Bonner Grundschulen. Das Orchester wird erstmals außerhalb des Irak gastieren. Die 45 Musiker sind zwischen 18 und 28 Jahren alt und setzen sich aus verschiedenen Religions- und Kulturkreisen zusammen: Araber musizieren mit Kurden und Sunniten mit Schiiten. Zum Gastspiel des Orchesters tritt Bewährtes: so lassen sich die Mitarbeiter des Beethovenfestes erneut von ihren Junior-Kollegen für einen Tag über die Schulter gucken (»Backstage…«), und auch die Interviews mit Künstlern des Festivals werden fortgeführt (»Nachgefragt«). Selbst Azubis befreundeter Unternehmen werden angesprochen: in eigenen Workshops werden sie einen ganzen Tag lang auf ein Konzert des Festivals vorbereitet.

Jeder soll die Chance haben, Musik kennenzulernen – und auch Honickel träumt von neuen Zielgruppen, genauer: von Konzerten für Kleinkinder und die »Best-Ages-Generation« (Honickel). Das Publikum sei zumindest da, und – da sind sich Honickel und Seidenbusch einig – Bonner Bürger seien generationsübergreifend aufgeschlossene und treue Gäste. In manchen Konzertreihen sitzen gar Eltern und Großeltern, auch wenn ihre Kinder und Enkel gar nicht mehr dabei sind. Selbst die Orchestermusiker zeigen sich laut Honickel immer wieder von den Ideen des Musikvermittlers überrascht. Der Erfolg gibt den Initiativen Recht: fast 2.300 Abonnenten gehören mittlerweile zum Kreis von »Bobbys Klassik« und allein von der nun ausgezeichneten CD wurden in einer Spielzeit über 600 Exemplare verkauft. Beim Beethovenfest verhält es sich ähnlich: so nahmen im letzten Jahr insgesamt 3.750 Kinder und Jugendliche bei den Projekten teil, davon 1.950 aktiv.  Und wie sieht es mit Konkurrenz aus? Alle Akteure betonen die freundschaftliche Atmosphäre, die in Bonn herrscht. Konkurrenz mag zwar bestehen, doch man ergänze sich gut.

Auf ein Konzert sei an dieser Stelle besonders hingewiesen. Das Ensemble tetete, das 2009 mit dem junge ohren preis ausgezeichnet wurde, ist am 25. September mit seinem »Bienenkino« rund um die Biene Seppi beim Beethovenfest zu Gast. Helmut Seidenbusch lernte es auf der Preisverleihung im Westdeutschen Rundfunk kennen und engagierte es vom Fleck weg…

www.bobbysklassik.de
www.beethovenfest.de
www.schuelermanager-beethovenfest.de


Denkfabrik I „Musik und Kommunikation“

2011/09/01

Wert der Vielfalt. Musikvermittlung fordert interkulturelle Kompetenz

Der YEAH! Award sucht in einem gesamteuropäischen Kontext nach Ideen und Wegen, um junge Menschen für die (klassische) Musik zu begeistern. Er stellt die Frage, wie das Musikleben im Zusammenspiel der Generationen gestaltet und lebendig gehalten werden kann. damit ist aber auch ganz allgemein die Frage nach dem Stellenwert von Musik in der Gesellschaft angesprochen – einer Gesellschaft die zunehmend heterogen ist und in der sich verschiedenste kulturelle Gruppen treffen.

Im Rahmen des YEAH! Festivals initiiert das netzwerk junge ohren am Donnerstag, 17. November 2011, eine Denkfabrik, in der 4 Impulsreferenten einer limitierten Zahl von Diskutanten in einer exklusiven Gesprächssituation zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit insgesamt 16 Teilnehmern werden sie sich einen Tag lang mit Fragen interkultureller Kompetenz, den Chancen und Problemen gegenwärtiger gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und den Aufforderungen an kulturelle Bildung und Institutionen beschäftigen.

Angesprochen sind Menschen aus Kunst und Kultur, die sich intensiv mit deren Vermittlung und ihrer Verortung in sozialen Räumen beschäftigen. Die Abschlussrunde um 17 Uhr ist öffentlich.

Impulsreferenten und Gesprächspartner:

Christina Coker (London) Seit zwölf Jahren transformiert „Youth Music“ das Leben von mittlerweile Millionen Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Herkunft durch aktives Musikmachen. Die ehemalige Lehrerin, Musikerin und Charity-Aktivistin Christina Coker ist seit 1999 Geschäftsführerin und stetig treibende Kraft dieser außerordentlich erfolgreichen Initiative. Derzeit veranstaltet Youth Music Auditions für das interkulturell zusammengesetzte Youth Music Voices Ensemble, das im Rahmen der Olympischen Spiele 2012 in London auftreten wird.  Youth Music

 

 

Matthias Naske (Luxemburg) Nach sieben Jahren als Generalsekretär der Jeunesses Musicales Österreich wurde Matthi-as Naske 2003 zum Generaldirektor der neu gegründeten Philharmonie Luxembourg bestellt und mit dem Aufbau der organisatorischen Struktur sowie mit der künstlerischen Planung betraut. Seine visionäre Idee eines führenden europäischen Konzerthauses als Haus der Begegnung, über alle Grenzen hinweg, verfolgt Naske konsequent und kreist dabei immer wieder um die Bedeutung „schöpferischer Wahrnehmung“. Philharmonie Luxemburg

 

Marc Sinan (Berlin) International erfolgreicher Komponist und Gitarrist, Sohn einer türkisch-armenischen Mutter und eines deutschen Vaters, Wanderer zwischen vielen Welten. Seit vielen Jahren arbeitet Marc Sinan mit Musikern anderer Genres zusammen und hat sich zuletzt intensiv mit der reichen Volksmusiktradition der Türkei auseinandergesetzt: Sein Projekt „Hasretim – eine anatolische Reise“ ist eine musikalische Symbiose von Anatolien und Deutschland, von Klassik und Volksmusik, von historischen Klängen und Zukunftsmusik.  „Oksus – eine Reise durch Usbekistan“ – die Fortsetzung dieser musikalischen Reisen durch orientalische Länder ist im Rahmen des YEAH!-Festivals zu erleben. Marc Sinan

Christine Bleks & Mustafa Tazeoglu (Duisburg) gründeten 2011 Urban Rhizome, Agentur für Stadt|Kultur|Ökonomie in Duisburg-Marxloh. Urban Rhizome reagiert auf die wachsenden Herausforderungen im interkulturellen, ökonomischen und kosmopolitischen Zusammenleben der Menschen und bietet Entwicklungsberatung und -begleitung in den Bereichen Urbanität, (Inter)Kulturalität und Ökonomie, mit dem Ziel der Förderung neuer sozial-ökonomischer und gesellschaftlicher Modelle. Urban Rhizome

Moderation:

Andrea Thilo (Berlin) studierte Kommunikation an der Berliner Hochschule der Künste, ist ausgebildete Journalistin und nach elf Jahren als Dokumentarfilmproduzentin mit eigener Firma (u. a. „Rhythm is it!“, „Trip to Asia“) im Bereich Kulturvermittlung weiter selbstständig aktiv, als Produzentin, Entwicklerin und Moderatorin.

Konzeption: Dr. Ingrid Allwardt, Katharina von Radowitz (netzwerk junge ohren), Christoph Thoma (Grazer Spielstätten), Andrea Thilo

Mitdiskutieren? Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl von 16 Personen ist eine Bewerbung erforderlich. Diese ist schriftlich per E-Mail einzureichen und soll einen Lebenslauf (max. 1 A4 Seite) sowie ein Statement (max. 1.500 Zeichen) zu der Frage enthalten:  „Interkulturelle Kompetenz als Chance für unsere Gesellschaft: wie reagiert Kunstvermittlung darauf jetzt und in Zukunft?“

Bewerbung bis zum 28. September 2011 an: netzwerk junge ohren, z. Hd. Katharina von Radowitz, k.radowitz@jungeohren.de

Die Denkfabrik I bildet den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen zum Thema „Musik und Kommunikation“. Die Denkfabrik II findet im April 2011 in Zusammenarbeit mit den Grazer Spielstätten statt, gefolgt von der Denkfabrik III im November 2012 in Wien (Kooperation mit ASSITEJ Austria).


Auch böse Menschen kennen Lieder…

2011/06/21

Dass die Idee der Musikvermittlung aus dem heutigen Musikleben nicht mehr wegzudenken ist, ist hinreichend dokumentiert. Der spirituelle Überbau einer Hoffnung auf positive Lerneffekte durch eine Beschäftigung mit Musik durchzieht den Vermittlungsbereich wie ein roter Faden – und bügelt so manche Unebenheit dabei hinweg. „Wo man singt, da lass’ dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder.“ – dies sagt der Volksmund und spricht an, was oft als Begründung für das eigene Schaffen herangezogen wird: der Wunsch nach einer positiven Dialektik von Musikerziehung und positiver Persönlichkeitsentwicklung.

Phänomene aus der Hirnforschung oder Erscheinungen wie der sprichwörtliche „Mozart-Effekt“ scheinen dies ja auch zu belegen – doch tun sie es wirklich? Unser Hirn ist immer noch zum großen Teil unerforscht und auch die Auswirkungen des „Mozart-Effekts“ wurden längst relativiert. Dass Musik zudem auch zu anderen Zwecken missbraucht werden kann, zeigt ihre Funktionalisierung beispielsweise im Dritten Reich oder in Lagern wie Guantanamo. Also, kennen ganz im Gegenteil auch böse Menschen Lieder?

Was ist es, was uns Menschen an der Musik fasziniert? Was motiviert die zahlreichen Akteure im Bereich der Musikvermittlung? Sind es Marketing-Gedanken, um unser klassisches Konzertleben wieder auf Vordermann zu bringen? Ist es der Glaube an eine Besserung durch Musik? Ist es der Wunsch, kreative Energien freizusetzen? Oder vielleicht die Sehnsucht, die Wirkung, die eine bestimmte Musik auf jemanden ganz persönlich hat, auf sein Gegenüber zu übertragen?

Das Thema „Musikvermittlung“ ist geprägt von verschiedenen Wünschen, konträren Ansichten und Grabenkämpfen. Presse, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik; viele Sphären sind involviert. Aus diesem Grund möchte der junge ohren blog in dieser Rubrik verstärkt aktuelle Entwicklungen kommentieren, Fragen aufgreifen und zur Diskussion anregen – und Sie sind herzlich dazu eingeladen!khm


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